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Die kindliche Sexualität und der Unterschied zur Sexualität von Erwachsenen

Aktualisiert: 30. Sept. 2023


Kinder die sich Küssen, Psychosexuelle Entwicklung in der Kita, Institut für Sexuelle Bildung

Die Förderung der sexuellen Bildung von Kindern und Jugendlichen ist ein bedeutendes Aufgabenfeld, das bei Pädagog*innen und Eltern unterschiedliche Reaktionen hervorrufen kann. Während Pädagog*innen und insbesondere Erzieher*innen, die in der Betreuung von Kindern im Vorschulalter tätig sind, bereits häufig mit den vielfältigen Aspekten kindlicher Sexualität konfrontiert wurden und diese anerkennen, kann das Thema bei Eltern vereinzelt auf Abwehrreaktionen stoßen, insbesondere wenn es darum geht die kindliche Sexualität zu normalisieren und anzuerkennen. Der Begriff "kindliche Sexualität" mag möglicherweise missverständlich sein und kann bei fehlendem Wissen in diesem Bereich Vorstellungen hervorrufen, die nicht mit dem übereinstimmen, was die Wissenschaft unter kindlicher Sexualität versteht. Dennoch ist der Begriff treffend, da bereits im Mutterleib erste Formen von Lust und Erregung, also kindliche Sexualität, beobachtet werden können und sich diese nach der Geburt weiterentwickelt.


Menschen sind Sexuelle Wesen von Beginn an


Die Phasen, in denen sich die kindliche Sexualität entwickelt, sind auch als psychosexuelle Entwicklung bekannt. Dieses Phasenmodell wurde vom Psychoanalytiker Sigmund Freud entwickelt und beschreibt die psychische Entwicklung eines Menschen von der Geburt bis zur Pubertät, wobei der Fokus auf der Entwicklung der Sexualität liegt. Obwohl nicht jede*r alles an der Freudschen Theorie befürwortet, stimmen auch heute Neurolog*innen und Entwicklungsforscher seiner Theorie zu, dass der Mensch von Anfang an ein sexuelles Wesen mit klar definierten Entwicklungsaufgaben ist. Auch Erzieher*innen berücksichtigen dieses Wissen zunehmend in ihrem pädagogischen Handeln. Darüber hinaus finden sich viele Ziele der psychosexuellen Entwicklungsaufgaben auch in den Bildungs- und Erziehungsplänen der einzelnen Bundesländer wieder, welche eine Arbeitsgrundlage für Kindertageseinrichtungen darstellen.


Warum verschließen jedoch immer noch so viele Menschen die Augen vor dem Thema der kindlichen Sexualität? Zum einen könnte dies an der allgemeinen Scham liegen, die häufig mit dem immer noch tabuisierten Thema - Sexualität - verbunden ist, sowie an der Unsicherheit, angemessen auf kindliches sexuelles Verhalten zu reagieren. Zum anderen könnte dies darin begründet sein, dass Menschen aufgrund ihrer eigenen sexuellen Biografie und ihren differenzierten Erfahrungen die sie damit gemacht haben, Sexualität als etwas betrachten, das ausschließlich Erwachsenen vorbehalten ist.

Zwei Mädchen die miteinander spielen, Institut für Sexuelle Bildung und Sexualpädagogik,

An dieser Stelle ist es wichtig die Merkmale der kindlichen Sexualität und der Sexualität von Erwachsenen zu differenzieren, um einordnen zu können was unter einer "normalen" kindlichen Sexualität zu verstehen ist:


Die "normale" kindliche Sexualität


Die kindliche Sexualität ist durch Entdeckungsfreude und Neugier motiviert und dient grundlegend dem Erleben von schönen Gefühlen und Lustgewinn. Diese schönen Gefühle werden über den gesamten Körper wahrgenommen und fassen zwar die Genitalien mit ein, konzentrieren sich jedoch nicht ausschließlich darauf. Kindliche Sexualität zeichnet sich durch lustvolle Körperempfindungen aus, die sich von der empfindlichen Mundregion ausgehend über den gesamten Körper erstrecken. Sie ist unbefangen, egozentrisch auf sich selbst gerichtet und kann im Rahmen von Neugier und Selbstvergewisserung auch im spielerischen Erforschen mit anderen Kindern stattfinden. Handlungen der kindliche Sexualität folgen in der Regel keinem bestimmtem Ziel, können aber bei der kindlichen Selbststimulation auch zu einem Höhepunkt führen.


Die "normale" kindliche Sexualität umfasst keinerlei Praktiken aus der Erwachsenensexualität. Sollten solche Praktiken bei Kindern festgestellt werden, ist ein behutsames, aber direktes Eingreifen erforderlich und eine pädagogische Intervention notwendig. Im Rahmen des Kinderschutzes sollte genau hingeschaut werden, welche Ursachen diesem Verhalten zugrunde liegen können und ggf. weitere Maßnamen eingeleitet werden.


Im Gegensatz zur kindlichen Sexualität bezieht die Erwachsenensexualität den gesamten Körper mit ein, konzentriert sich jedoch auf die Genitalien mit dem Ziel von Befriedigung und Erotik. Neben der Selbstliebe findet Erwachsenensexualität meist in Interaktion mit anderen Personen oder im Rahmen von Beziehungen statt. Sie ist nicht unbefangen und häufig mit Werten, Normen und Glaubenssätzen verbunden, die sich im Laufe der individuellen Biografie gefestigt haben. Darüber hinaus befasst sie sich auch mit den problematischen Aspekten der Sexualität.


Eine sexualfreundliche Haltung ist ein wichtiger Baustein der Prävention


Im Rahmen der frühkindlichen Entwicklung sammeln Kinder zahlreiche Sinneserfahrungen sowie kognitive Erfahrung, die eine wichtige Voraussetzung für die Entwicklung eines positiven Körpergefühls sind. Dieses steht gleichzeitig im direkten Zusammenhang mit einer lustvollen und selbstbestimmten Sexualität im Erwachsenenalter. Deshalb und weil ein positives Körpergefühl und ein nicht-tabuisierter Umgang mit dem eigenen Körper und dem Thema Sexualität ein wichtiger Baustein in der Prävention von sexualisierter Gewalt sind, ist es pädagogische sinnvoll eine sexualfreundliche Erziehungshaltung von Anfang an zu leben und den befangen Blick auf die kindliche Sexualität abzulegen.


Wenn wir also aus Unsicherheit, vor der kindlichen Sexualität die Augen verschließen und Kindern aus Unwissenheit mit dem moralischen Zeigefinger das Entdecken des eigenen Körpers und damit verbunden Sinneserfahrungen verwehren, dann nehmen wir ihnen gleichzeitig die Möglichkeit einen positiven, lustvollen und bejahenden Zugang zum eigenen Körper zu entwickeln.


Wenn Sie mehr über die einzelnen Entwicklungsstufen der kindlichen Sexualität und die sexualfreundliche Erziehung als Baustein der Prävention erfahren möchtest oder konkrete Praxistipps für mehr Handlungssicherheit im Umgang mit der kindlichen Sexualität bekommen möchten, dann schauen Sie doch gerne mal in unserem Fort- und Weiterbildungsangebot vorbei.

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